In Zukunft zählt (wieder) das Wort

Gabriele Baron ist Autorin, Texterin und Coach für wirksames Texten.

Nach einem Agenturpraktikum hat die Werbefachwirtin elf Jahre in Unternehmen der verschiedensten Branchen als Werbetexterin, -beraterin und Leiterin Marketingkommunikation gearbeitet, bevor sie sich1992 selbständig gemacht hat.

 

 

WE: Wie kamen Sie zum Thema Werbung?

G. Baron: An der Werbung hat mich der kreative Umgang mit Sprache gereizt und, dass die Branche damals noch so einen Exoten-Status hatte, also nichts Etabliertes, nichts Festgefahrenes hatte.

 

WE: Wie ist meine Meinung zu Ethik in der Werbung?

G. Baron: Ethik sollte der Teppich sein, auf dem sich Werbung bewegt. Gerade weil Werbung eine so große Öffentlichkeit und Verbreitung hat, muss sie sich besonders an ethischen Grundsätzen orientieren.

 

WE: Wie sollte die Werbung der Zukunft aussehen?

G. Baron: Ich persönlich wünsche mir kreative, humorvolle und faire Werbung, die wieder die feineren, leiseren Töne anschlägt, weg vom kurzfristigen Preiskampf, hin zu weitsichtigen Qualitäts- und Markenstrategien.

 

Dazu brauchen wir bei den Machern der Werbung wieder mehr Lust, den Dingen auf den Grund zu gehen und Handwerkszeug wie die Kunst der Schreibe. Sie basiert  auf klaren Gedanken und intimen Sprachkenntnissen. Je genauer ich eine Sprache beherrsche, desto differenzierter kann ich meine Gedanken in Worte kleiden und geschickt miteinander verknüpfen. Meine beste Lehrmeisterin in Sachen Sprache war meine Mutter. In meiner Kindheit und Jugend hätte ich das freilich niemals zugegeben. Schon, weil ich es selbst erst viel später verstanden habe: Tatsächlich hat sie mich mit ihren oft vagen, manchmal emotionalen Formulierungen und dann wieder mit ihrer keinen Widerspruch duldenden Begründung „Weil ich das sage!“ zum Widersprechen, Formulieren und Argumentieren herausgefordert. An dieser Stelle: Danke für diese Muttersprache!

 

Aus dieser frühen, permanenten Auseinandersetzung mit Sprache hat sich eine Leidenschaft und Liebe entwickelt. Diese Liebe zur Sprache ist treibende Kraft und wichtiger Erfolgsfaktor, wenn ich mich dafür einsetze, dass bewusst mit Sprache umgegangen wird. 

 

 Zuerst „nur“ in Familie und persönlichem Umfeld, später als Trainerin und Beraterin seit vielen Jahren in Unternehmen. Mein Anliegen ist, dass die Texte und die Kommunikation unternehmens- und kundengerecht sind, dass in Verhandlungen Klartext gesprochen wird, Worte und Taten übereinstimmen und Meinungen offen vertreten und Konsequenzen bedacht werden.

 

Vor ein paar Jahren habe ich mich gefragt, warum meine Zunft überhaupt gebraucht wird. Schließlich lernt doch jeder seine Muttersprache von klein auf. Seitdem setze ich früher an und unterstütze bereits Kinder und Jugendliche. Denn viele Lern- und Schulprobleme haben auch damit zu tun, dass Worte nicht verstanden und Sprache nicht beherrscht wird. Wer den Worten eines Lehrers – egal in welchem Fach – nicht folgen kann, sich nicht traut nachzufragen, dessen Gedanken schweifen ab. Er gilt dann als unkonzentriert und schlimmer noch: er hat keine Chance zu erkennen, was für ihn spannend wäre!

 

WE: Wie sieht die Zukunft der Frauen in der Werbung aus?

G. Baron: Der Anteil der Frauen und ihre Professionalität in Werbeberufen sind hoch und sie trauen sich mit ihren kreativen Leistungen zunehmend ins Rampenlicht.

 

WE: Wie sieht die Zukunft der Werbung aus?

G. Baron: In Zukunft wird außer in Konzeption, Gestaltung und Text besonders in der Mediaplanung die weibliche Kreativität gefragt sein.